EINBLICK Die Stiftung 2024 Unverhoffte Zuwendung Gelegentlich kommt man unversehens in den Besitz von Dingen, die man gerade gut gebrauchen kann. Seltener handelt es sich dabei um ein Stück Land und mehrere Landmaschinen. Der Campus Klein-Altendorf zwischen Meckenheim und Rheinbach gehört zur Universität Bonn. Auf dem weiten Gelände, in Gewächshäusern und auf Forschungsfeldern werden zahlreiche Studien und Versuche im Rahmen von Projekten der Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät durchgeführt, bei denen es um Forschung im Acker-, Pflanzen- und Gartenbau, aber etwa auch um nachwachsende Baustoffe geht. Als 2022 das Testament von Manfred Simons eröffnet wurde, stellte sich heraus, dass der kurz zuvor verstorbene Rheinbacher, der im angrenzenden Stadt- teil Wormersdorf gelebt hatte, der Bonner Universitätsstiftung drei Flur- stücke und landwirtschaftliches Gerät – vom Traktor bis zur Axt – vermacht hatte. Dabei war es sein ausdrücklicher Wunsch, sein Nachlass möge zur Förderung des Campus Klein-Altendorf verwendet werden. Der kleine rote Traktor kommt auf dem Gelände des Campus Klein-Altendorf ausgiebig zum Einsatz So sehr sich Professor Dr. Ralf Pude, der wissenschaftliche Leiter des Campus, über die Zuwendung freute, so wenig sagte ihm der Name Manfred Simons; daher machte er sich auf die Suche. Weil Pude persönlich eng mit Rheinbach und der Landwirt- schaft der Region verbunden ist und selbst gemeinsam mit seiner Frau dort Obstbau betreibt, fragte er bei seinen Bekannten herum und fand heraus, dass eine von ihnen als Schülerin und Studentin aushilfsweise für Simons gearbeitet hatte. Dieser habe damals, so ihre Auskunft, im Nebenerwerb zu seiner Tätigkeit in einem Bundesamt Stiefmütterchen gezüchtet und vertrieben, wozu er den kleinen Hof führte, der nun ebenfalls zu seinem Nachlass gehört. Im Zuge der regen Öffentlichkeitsarbeit, die der Campus Klein-Altendorf seit einiger Zeit betreibt, etwa durch einen zwei- jährlichen Tag der offenen Tür, muss Simons die Forschungseinrichtung vertraut gewesen sein, sodass er offenbar den Entschluss fasste, die dortigen wissenschaft- lichen Projekte durch seinen Nachlass zu fördern. Weiterhin ist nur zu erfahren, dass Manfred Simons wohl sozial engagiert war und sich sehr um eine ältere Schwester kümmerte, die aufgrund einer Behinderung auf Unterstützung angewiesen war. Sie war zunächst als Ersterbin eingesetzt, verstarb jedoch vor ihrem Bruder, sodass das Erbe unmittelbar an die Bonner Universitätsstiftung ging. Eine der wenigen Aufnahmen von Manfred Simons Für dieses Erbe hat der Campus gute Verwendung. Simons Traktor und seine Pflanz- maschine, beide gut in Schuss, eignen sich nicht nur für die Kultur von Stiefmütter- chen, sondern auch für den Anbau verschiedener Pflanzen im Rahmen wissenschaft- licher Experimente. Auf diese Weise ergänzen sie den Gerätepark bestens. Auf den hinzugekommenen Flurstücken entstehen unter anderem Blühstreifen. Und für die Verwendung der finanziellen Mittel, auch aus dem Verkauf von Simons’ Hof, ist Ralf Pude eine ganz besondere Idee gekommen: Da Wetterdaten bei nahezu allen Experimenten mit Freilandpflanzen eine wichtige Rolle spielen, soll auf dem Campus eine neue Wetterstation eingerichtet werden, mit deren Hilfe etwa Luftfeuchtigkeit, Niederschlagsmengen, Temperaturverläufe und einiges mehr in einem Umfang ge- messen werden können, der gehobenen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Die bisherige Anlage ist bereits sehr in die Jahre gekommen. Benannt werden soll die neue Station nach Manfred Simons. So entstehe etwas Bleibendes, sagt Prof. Pude, etwas, von dem alle etwas haben, vom Studenten bis zur Doktorandin. Zugleich ist die Station ein Andenken an Manfred Simons, der die Forschungsprojekte am Campus Klein-Altendorf offenbar für so wertvoll hielt, dass er gerne einen Beitrag dazu leisten wollte. n Die marode Wetterstation wird demnächst durch eine neue Anlage ersetzt. Dank Manfred Simons steigt damit die Qualität der erhobenen Wetterdaten. 11