Alumna Nadia Hassani, USA





Name: Nadia Hassani

Studiendaten: Oktober 1984 bis Dezember 1991

Studienfächer: Islamwissenschaft, Französische Philologie, Völkerrecht

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Im Moment bin ich beruflich tätig als…
Freiberufliche Texterin, Übersetzerin und Redakteurin.

Außerdem habe ich noch Folgendes gemacht, seit ich aus Bonn weg gegangen bin…
Nach dem Magister habe ich erst in verschiedenen Jobs in arabischen Ländern gearbeitet, dann als Redakteurin bei einem technischen Fachzeitschriftenverlag in der Nähe von Frankfurt. Die Arbeit dort hatte wenig Bezug zu meinem Studienfach, deswegen war mein erstes Buch, der Reiseführer Tunesien für Frauen, damals eine willkommene Abwechslung. Anfang 1998 bin ich in die USA ausgewandert und habe dort erst ein paar Jahre in einem Buchverlag in New York als Lektorin für Fremdsprachen-Lehrbücher gearbeitet und mich 2000 selbstständig gemacht. In den letzten zehn Jahren habe ich mich nebenbei intensiv mit der deutschen Küche beschäftigt und Spoonfuls of Germany geschrieben, ein Buch über die deutsche Regionalküche. Während der Arbeit an der Neuauflage habe ich festgestellt, dass das Thema noch lange nicht ausgeschöpft ist, daher blogge ich auch darüber (www.spoonfulsofgermany.com).

Nun lebe ich in…
Im ländlichen Pennsylvania, USA.

Hierhin hat es mich verschlagen, weil…
ich meine Ehemann kennengelernt habe, der hier mit seinen zwei kleinen Kindern lebte.

Besonders gut gefällt mir an meiner neuen Heimat…
die Weite, und damit meine ich nicht nur die geographische, in der man seine Nische finden kann. Als Kind bi-nationaler Eltern (mein Vater stammt aus Tunesien) fühle ich mich in der ethnischen Vielfalt der USA besser akzeptiert als in Deutschland. Denn hier ist bis auf die Ureinwohner jeder ein Einwanderer.

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An der Uni Bonn habe ich gelernt...
selbstständig zu denken und zu arbeiten. Von den konkreten Inhalten meines Studiums ist leider wenig hängengeblieben, aber wie man sich in ein neues Thema einarbeitet und recherchiert, das Recherchierte präsentiert und sich eine eigene Meinung bildet, und das habe ich an der Uni Bonn gelernt.

Mein liebster Prof. an der Uni Bonn…
Da möchte ich mich nicht festlegen. Es gab viele Profs, die mir gut gefallen haben und natürlich auch einige, mit denen ich weniger klarkam.

Meine Lieblingsvorlesung / -veranstaltung an der Uni Bonn…
Auch da möchte ich mich nicht festlegen, ich habe gute und weniger gute Vorlesungen besucht. Eine Vorlesung, die mir jedoch sehr lebendig in Erinnerung geblieben ist, war eine Gastvorlesung von Annemarie Schimmel im Winter 1991. Der Zweite Golfkrieg mit der Bombardierung von Bagdad hatte gerade begonnen und die Studenten waren in großer Aufruhr. Es stand plötzlich sogar ein kleiner Fernseher vor der Bibliothek, wo man sich CNN ansehen konnte. Und in alldem hat Prof. Schimmel hat unbeirrt mit geschlossenen Augen ihre Vorlesung über islamische Mystik gehalten, ohne ein Wort über die aktuellen Ereignisse zu verlieren.

Mein Lieblingsort in der Uni Bonn…
Ein Fensterplatz in der Bibliothek des Orientalischen Seminars (es heißt heute Institut für Orient- und Asienwissenschaften, IOA) im ersten Stock mit Blick auf riesige Kastanienbäume während der Blüte im Mai.

Mein Lieblingsessen in der Mensa…
Ich muss gestehen, ich war selten in der Mensa, aber wenn, dann hat mir der Milchreis am besten geschmeckt.

Meine schönste Erinnerung an die Studienzeit in Bonn…
Nur eine? Ich habe viele schöne Erinnerungen.

Nach dem Studium wollte ich eigentlich…
in der arabischen Welt arbeiten, bei einer Stiftung, im Kulturaustausch o.ä. Diese Stellen waren aber leider sehr dünn gesät. Durch Praktika im Bereich Journalismus und Public Relations bekam ich glücklicherweise den Einstieg in einen anderen Bereich, in dem ich leichter Fuß fassen konnte.

Rückblickend auf meine Studienzeit würde ich auf jeden Fall…
andere Nebenfächer wählen, die einen stärkeren Bezug zu meinem Hauptfach haben. Es war im Prinzip ein unmöglicher Spagat von der Islamwissenschaft über Französisch zum Völkerrecht.

An Bonn mag ich…
Dass es eine überschaubare Stadt ist, wo man mit dem Fahrrad überall hinkommt. Die vielen freien Plätze, viel Luft und Grün, schöne alte Gebäude und eine herrliche Lage am Rhein.

Ein guter (Arbeits-) Tag beginnt mit…
einer Tasse Milchkaffee

Erfolg bedeutet…
aus der eigenen Situation und den Möglichkeiten das Beste zu machen. Es gibt für mich auch keine universelle Messlatte für Erfolg, es gibt Erfolg auf so vielen verschiedenen Ebenen und nicht nur beruflichen oder akademischen Erfolg.

Mißerfolg bedeutet…
lediglich, das einem etwas nicht gelungen ist und man es eben einfach noch einmal versuchen muss oder nach anderen Wegen sucht, um erfolgreich zu sein.

Am meisten bewundere ich…
Menschen, die aus eigener Kraft etwas auf die Beine stellen sowie Menschen mit Visionen, Erfindungsgeist und dem Mut, Neuland zu betreten.

Mein Lieblingszitat…
Ist ein persisches Sprichwort und der einzige vollständige Satz, der aus mehreren Jahren Farsi-Unterricht an der Uni Bonn hängengeblieben ist: be har koja ke ravi aseman hamin rang ast („Wo immer Du hingehst, der Himmel hat überall die gleiche Farbe.“)

Mein Lebensmotto…
immer das Beste aus der gegenwärtigen Situation machen

Folgendes möchte ich den heutigen Studenten der Uni Bonn mit auf den Weg geben:
Studieren zu können ist hier in den USA keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn die Studiengebühren an der Uni Bonn heute höher sind als zu meinen Studienzeiten, so sind sie immer noch verschwindend gering im Vergleich zu den USA, wo eine College-Ausbildung so viel kostet wie ein Eigenheim. Auch wenn es die Möglichkeiten von Studiendarlehen gibt, so bedeutet das Zurückzahlen oft eine finanzielle Belastung für viele Jahre. Das Studium an der Uni Bonn ist daher eine große Chance, die man schätzen und ernsthaft angehen sollte.

Für die Zukunft wünsche ich der Uni Bonn…
dass sie mit der Zeit geht, sich nach außen hin aber nicht verändert. Denn der Hofgarten-Campus ist für mich immer noch einer der schönsten auf der Welt!






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