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forsch 1 2013

In den Botanischen Gärten arbeiten rund 50 Personen – vom Azubi über Gärtner bis hin zum Direktor. Auf insgesamt elf Hektar wachsen rund 11.000 Pflanzenarten – das ist das Dreifache der natürlichen Artenzahl in ganz Mitteleuropa. Schwerpunkte in den Gewächshäusern sind die fleischfressenden Pflanzen, die Velloziaceae und Proteacea. Im Freiland steht etwa ein Dutzend Bäume, die als die größten in Deutschland ihrer Art gelistet sind. Die wohl bekannteste Pflanze ist die Titanenwurz, die aufgrund ihrer Größe der Universität Bonn einen Eintrag ins Guinness- Buch der Rekorde beschert hat. Titelthema: Sammeln und Zeigen 16 forsch 4/2013 universitätbonn FORSCHEN Hüter der Pflanzenvielfalt Die Botanischen Gärten forschen, erhalten und erklären Binnen einer Stunde lässt sich in den Botanischen Gärten eine Weltreise von Kaukasien bis Südamerika unternehmen. Doch neben der Vermitt- lung der Pflanzenwelt widmet sich die im wahrsten Sinn des Wortes lebendige Sammlung der Forschung, Lehre und Arterhaltung. Die Bonner lieben ihren Botani- schen Garten – pardon, eigentlich sind es drei. Denn neben der parkartigen Anlage am Poppelsdorfer Schloss gibt es noch zwei weitere: Der Nutzpflan- zengarten am Katzenburgweg beher- bergt als Versuchsgarten der früheren Landwirtschaftlichen Akademie viele regionale Sorten, wie zum Beispiel die Tomate „Bonner Beste“ und den Wir- sing „Bonner Advent“. Der Melbgar- ten am Nachtigallenweg kam 1962 dazu. Dort finden heute Anzuchtexpe- rimente statt. Seit 1. Oktober 2002 sind alle drei Gärten zu einer zentralen Be- triebseinheit zusammengelegt. Erforschung des Verhaltens Forschung und Lehre machen den Kernauftrag der Botanischen Gärten aus – nicht nur in der Biologie. „Wir fühlen uns sämtlichen Fakultäten und Einrichtungen der Universität Bonn verpflichtet“, sagt Kustos Dr. Wolf- ram Lobin. So fand ein Spanischsemi- nar der Romanisten im subtropischen Ambiente statt. Wegen des exotischen Flairs ist der Garten am Poppelsdorfer Schloss immer wieder als Veranstal- tungsort sowie beliebte „Location“ für Konferenzen, Präsentationen und Feiern – zum Beispiel das Uni-Be- triebsfest – gefragt. Für die unterschiedlichsten For- schungszwecke stellen die Mitarbei- ter Pflanzenmaterial bereit, halten in einem eigenen Lehrgewächshaus Be- stimmungsübungen ab und bieten Führungen an. Viele Forschungspro- jekte werden vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen durchge- führt. Das ist kein Wunder, denn Prof. Dr. Maximilian Weigend ist zugleich Direktor der Botanischen Gärten und Leiter des Nees-Instituts. Er unter- sucht unter anderem das Verhalten von Blumennesselgewächsen. „Diese Pflanzenfamilie hat ihre Bestäubung durch ausgeklügelte Mechanismen zur Perfektion getrieben“, berichtet Prof. Weigend. Molekulare Vielfalt Als ein weiteres Thema von vie- len erforscht die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dietmar Quandt die moleku- lare Vielfalt der Pflanzen. Und Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, früherer Di- rektor der Botanischen Gärten und berühmter Entdecker der schmutzab- weisenden Oberflächenwirkung der Lotusblume, treibt auch als Emeritus die Biodiversitäts- und Bionikfor- schung voran. Während ihrer Reisen rund um den Globus sammeln die Mitarbeiter nicht nur Samen von bereits beschrie- benen Pflanzen: Ab und zu entdecken sie auch vollkommen neue Arten – darunter zum Beispiel das Koenen- Schneeglöckchen, das nach dem frü- heren Gärtner Manfred Koenen benannt ist. Das Sammeln, Vermehren und Tauschen von Saatgut dient zu- nehmend auch dem Erhalt bedrohter Arten. „Diese Herausforderung hat durch die Zerstörung vieler Lebens- räume an Gewicht gewonnen“, sagt Dr. Lobin. Arterhaltung wird groß geschrieben Die Mitarbeiter der Botanischen Gärten widmen sich der Arterhaltung sowohl auf internationaler als auch re- gionaler Ebene. Seit den 1950er Jahren galt der auf der Osterinsel heimische Toromiro-Baum als ausgestorben – bis 1988 ein Exemplar im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss ent- deckt wurde. „Das war der Startschuss für mehrere internationale Wiederan- siedlungsprojekte, für die viele Orga- nisationen an einem Strang ziehen“, sagt Dr. Lobin. JOHANNES SEILER 5Gärtnermeister Josef Manner begutachtet die Erhaltungskultur der vom Aussterben bedrohten Dicken Trespe (Bromus grossus). Foto:WolframLobin

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